Mallorca – Eine kleine Zeitreise

Mallorca

Mallorca blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Die Sonneninsel wurde relativ spät – nämlich vor ungefähr 6.000 Jahren von Menschen besiedelt. Forscher nehmen an, dass sie aus dem Süden des heutigen Frankreichs kamen. Sie errichteten wohl für ihre Verstorbenen oder auch zu Verteidigungszwecken hufeisenförmige Türme aus teilweise sehr großen Bruchsteinen. Sie werden von der Archäologie „Talaiots“ genannt. In späteren Jahrhunderten kamen noch Mauern dazu, die mehrere dieser Talaoits umfassten.

Im 7. Jahrhundert v. Chr. errichteten die Karthager auf der benachbarten Insel Ibiza eine Handelsstation, was das Balearen-Archipel in die punischen Kriege verwickelte. So kämpften die Vorfahren der heutigen Mallorquiner als  Els Foners Balears (Steinschleuderer) auf karthagischer Seite. Sie waren darin so geschickt, dass die Inseln bald nach ihnen benannt wurden, bis dahin waren sie als „Gymnesische Inseln“ bekannt.

Rom ging als Sieger aus diesen Kämpfen hervor, und das verfeindete Mallorca wurde schnell eine Hochburg von Piraten. Von hier aus wurden römische Galeeren angegriffen, geplündert und versenkt. Das hinderte die Römer freilich nicht, die heutige Hauptstadt – damals Palmaria Palmensis – und Polentia zu gründen. Außerdem hinterließen sie natürlich eine beeindruckende Vielzahl historischer Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel Stadtmauern, Tore und Brunnen. Sehenswert sind aber auch die Ruinen einer römischen Siedlung bei Alcúdia. Aus Mallorca ließen sich die Römer natürlich einige Waren wie Olivenöl, Weizen und Wein liefern. Überdies hat die katalanische Sprache viele Elemente aus dem Lateinischen, und auch der Name Mallorca geht auf das römische Insula Maior zurück.

Zwischen dem zweiten und vierten Jahrhundert kamen christliche Missionare nach Mallorca. Anfangs bekämpfte Rom die neue Religion, und die Höhle Sant Marti bei Las Gaviotas war ein Versteck der ersten Christen. Der Niedergang des römischen Weltreichs wurde eingeläutet, als die Vandalen die Insel überfielen und Polentia brandschatzten. Auch diese Invasoren wurden schließlich von Ost-Rom besiegt, und Mallorca diente als militärischer Stützpunkt im Kampf gegen die Goten.

Im 8. Jahrhundert begann die Invasion der Araber, die einige Jahrhunderte über Mallorca herrschten. Noch heute kann der Urlauber Reste der damals bewässerten Terrassen bestaunen, auf denen dieses hoch stehende Kulturvolk Gemüse und Obst anbaute. Auch zeugen Ortsnamen wie Alcudia, Alaró, Andratx und Fornalutx von dieser Epoche. Im Jahre 1229 siegten die Christen unter König Jaume I. schließlich über die „heidnischen“ Araber, die die wichtigsten Handelswege bis dahin für sich beansprucht gemacht hatten. Auf den Ruinen einer zerstörten Moschee erhebt sich die noch heute so imposante Kathedrale in Palma.

Die folgenden Jahre waren von Erbstreitigkeiten nach dem Tode Jaumes geprägt. Mallorca wurde kurz sogar unabhängig verwaltet, musste sich jedoch bis 1975 vom spanischen Festland dominieren lassen. Ende des 19. Jahrhunderts wurden fast alle Weinberge von Schädlingen zerstört, und die Bauern mussten ihre Existenz auf Obst- und Mandelbäume verlegen. In den 1920er Jahren wurde Mallorca erstmals von Touristen entdeckt. Und so ist die Insel bis heute ein beliebtes Urlaubsziel geblieben, mit nur einer kurzen Unterbrechung zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und des Faschismus unter Franco.